Die Evangelische Kirchengemeinde
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Auf ein Wort.

Monatslosung Mai 2017

Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt. Kol 4,6

Liebe Gemeinde,
„es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“
So dichtete Friedrich Schiller in seinem Drama „Wilhelm Tell“, und wir alle wissen, dass daran Wahres ist: Es fällt schwer, gelassen zu bleiben, wenn man gereizt wird durch die Unbeherrschtheit Anderer, durch ihre mangelnde Einsicht, durch ihren boshaften Klatsch, durch Betrug und Lüge oder sogar durch Gewalt. Da möchte man aus der Haut fahren, los schreien, mit gleicher Münze zurückzahlen, fluchen oder selbst gewalttätig werden.
Jesus lehrt uns zu Recht, dass das nicht klug ist – denn wer an der Gewaltspirale dreht, wird selbst nur immer weiter in den Strudel der Gewalt hineingezogen. Daher rät er, die andere Wange hin zuhalten. Einen Versuch ist das wert, auch wenn das nicht immer funktionieren wird, weil mancher dadurch nur umso mehr angespornt werden mag – andere jedoch, hoffentlich die meisten, werden innehalten und sich ihres Fehlverhaltens schämen.
Nun möchte ich allerdings keinem Menschen, der fortwährend Gewalt oder Hass, in welcher Form auch immer, ausgesetzt ist, raten, ständig die andere Wange hin zuhalten – man muss sich nicht dauerhaft zum Opfer machen.
Wie aber umgehen mit dem „bösen Nachbarn“, der den Frieden rauben will?
Ein einfaches Rezept dafür gibt es sicher nicht. Die Monatslosung hilft auf dem Weg zu einer Lösung: Allezeit freundlich reden, das mag zwar immer noch manche, die auf Krawall aus sind, reizen, und dennoch wird es sich insgesamt gesehen auszahlen: Wer immer freundlich bleibt, wer sich nicht in Ärger und Streit verwickeln lässt, der ist als Partner/in im Boxring uninteressant.
Allerdings ist es nicht so, dass man auf Provokationen nicht reagieren sollte – mit Salz gewürzt, das heißt ja auch: Die Rede sei nicht einfach nur duldsam und weich wie Zuckerwatte, nein, sie soll durchaus sozusagen etwas „zu beißen“ geben. Man sagt, dass salzig-würzige Gerichte „herzhaft“ sind – und daran denke ich bei dieser Monatslosung, an „herzhaftes“ Reden: freundlich, aber bestimmt; zugewandt, sozusagen von Herzen, aber nicht ohne Kritik und Klarheit. Diese Haltung einzuüben, ist schwer, wenn das Adrenalin mal wieder durch die Adern schießt, und bleibt doch der beste Weg: Denn der beste Weg zum Frieden ist halt doch der Frieden selbst, den es auszubreiten gilt gegen alles, was ihm entgegenstehen will.
Es grüßt Sie Ihre Pfarrerin Nana Dorn