Die Evangelische Kirchengemeinde
Berlin Hohenschönhausen/Nord
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Auf ein Wort.

Monatsspruch: „Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen. “ Ps 130,6

Liebe Gemeinde!

Tief in die Augen schauen, Händchen halten, erste zarte Küsse – danach sehnen sich 12- und 13-Jährige. Sie wünschen und hoffen, endlich dem einen Menschen zu begegnen, der sie erfahren lässt, was Liebe ist, wie sich das anfühlt, von einem Menschen ganz und gar verstanden und eingenommen zu sein und ganz und gar nur für ihn - oder sie - da zu sein.
Die erste große Liebe endet oft in einer riesigen Enttäuschung und war in der Rückschau meist gar nicht so groß. Dann merkt man: Was man sich erhoffte, ist nicht ganz eingetroffen, und trotzdem war und bleibt die erste Liebe eine prägende Erfahrung, die nötig war und die wir brauchten zum Reifen.
Menschen haben in ihrem Leben viele Sehnsüchte, sie sehnen sich nach Kindern, nach Freundschaften, nach guter Arbeit, nach Urlaub, nach Reichtum, nach dem Sommer oder nach Weihnachten, und immer wieder sehnen sie sich natürlich nach partnerschaftlicher Liebe, die beglückend und tragend ist. Und sie stellen fest, dass manches in Erfüllung geht, dass es hält oder zerbrechen kann, während anderes nur ein Traum bleibt, auf den man wartet und der dem Leben ein wenig Hoffnung und Farbe verleiht, selbst wenn dieser Traum vermutlich nie wahr werden wird.

Gehört zu Ihren Sehnsüchten das Warten auf Gott? Ich glaube, dass wir Menschen meistens unbewusst und nur ab und an ganz bewusst auf Gott warten – z.B. in einer Zeit der Krankheit, in Zeiten der Not oder Trauer oder der Sorge – dann spüren wir besonders intensiv, dass wir Gott an unserer Seite brauchen, nicht nur, weil wir uns von ihm Hilfe und Heil bzw. Heilung erwarten, sondern vor allen Dingen, weil wir bei ihm bekommen können, was uns stärkt: Von Gott kommt das Vertrauen darauf, dass wir liebenswert sind, wenn wir uns gerade nicht liebenswert, sondern ganz unsicher fühlen; von ihm kommt die Hoffnung darauf, dass wir es schaffen werden, mit einer Lage umzugehen, so niederdrückend sie auch sein mag; von ihm kommt die Zuversicht, dass da immer noch einer ist, der uns hört und sieht und kennt und (innerlich) berührt, selbst wenn man ganz allein dazustehen scheint.
Weihnachten ist das Fest, das uns verheißt: Gott ist da! Er begegnet uns, wieder und wieder. Er gibt uns nicht unbedingt das, was wir wollen; er gibt uns, was wir brauchen. So wie die erste große Liebe.

Möge Weihnachten für uns alle in diesem Jahr eine Begegnung unserer Seele mit Gott werden – dann wird es ein Fest!

Pfarrerin Nana Dorn