Die Evangelische Kirchengemeinde
Berlin Hohenschönhausen/Nord
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Auf ein Wort.

Liebe Gemeindebriefleser -innen,
wenn man Ihnen sagt "...man muss gehorchen. . .", was geht dann wohl in Ihnen vor? Rebellion? Anpassung? Welche alten Filme laufen dann wohl bei Ihnen ab? Ich habe in der letzten Jungen Gemeinde den Monatsspruch für den Monat Juni besprochen und die Jugendlichen gefragt, was sie mit diesem Text assoziieren, was ihnen einfällt und wie es ihnen mit dem Text geht.
Sie kennen diesen Monatsspruch bestimmt, denn er war vor einigen Jahren auch die Jahreslosung, er steht in der Apostelgeschichte 5,29:
              "Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen."
Die Jugendlichen haben zuerst die Worte "... man muss gehorchen " gehört und sind sehr schnell in eine abwehrende Haltung gegangen.
Ich konnte sie sehr gut verstehen, denn was müssen die jungen Menschen nicht alles machen, nach wem sich alles richten, ...und gerade in einer Zeit der Emanzipation möchte man sich nicht sagen lassen, was man alles machen muss und was nicht. Die Reaktionen der JG'ler gingen von: "Ich muss gar nichts machen" über: "Ich lasse mich zu nichts zwingen" "Ich höre nur auf mich selbst" bis zu: "Na wenn ich jemandem vertraue, dann kann ich auch auf den hören"... Wir hatten jedenfalls einen sehr guten und vor allem kontroversen andächtigen Abend mit diesem Text.
Und im Nachhinein wurde mir deutlich, dass genau das das Anliegen dieses Textes ist. Nicht einfach schlucken, was dir ein anderer sagt. Kritisch betrachten, was andere von dir wollen, dir befehlen, oder dir aus einer Machtposition heraus auf diktieren wollen. Und genau das war die Reaktion der JG'ler auf die 3 Worte, die sie gehört haben. Und Sie kennen ja den Spruch "Es hört eh jeder was er will...",
— und gerade deshalb ist es wichtig auch noch mal genauer hin zuhören, denn unser Monatsspruch hat für mich gerade auch im Reformationsjubeljahr besondere Bedeutung: Er lädt gerade uns als Protestanten ein, uns kritisch mit dem auseinanderzusetzen, was uns andere Menschen vorschreiben, und der Prüfmaßstab liegt nicht an dem, was Menschen geschaffen haben, sondern in einem übergeordneten Wertesystem, welches nicht wir geschaffen haben, welches uns aber überliefert wurde: das Wertesystem der Barmherzigkeit, der Gerechtigkeit, der Solidarität und der Nächstenliebe, so wie es uns Jesus Christus vor gelebt hat.
Genau das verkündet der Apostel Paulus und ruft uns mit diesem Monatsspruch auf, alles, was uns gesagt wird, auf dieses Wertesystem hin zu prüfen. Und letzten Endes bedeutet das auch für uns Menschen selbstkritisch, aber auch wohlwollend liebevoll zu überprüfen, ob wir mit unserem Tun und Lassen in der Nachfolge Jesu stehen. Und in diesem Sinne lasst uns in unserer Gemeinde immer wieder zu Protestanten werden, die sich selbst hinterfragen und so der Selbstgerechtigkeit und der Selbstherrlichkeit und dem Besserwisser tun widerstehen. Eine Herausforderung nicht nur im Lutherjahr.
Gesegnetes Widersprechen wünsche ich uns und Ihnen,
Ihr Mario Schatta